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Online-Magazin von mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz

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Worte reichen nicht (mehr) – jetzt braucht es Taten

Editorial

Worte reichen nicht (mehr) – jetzt braucht es Taten

Die Stärkung der Grundversorgung ist seit Jahren politischer Konsens. Sie ist in der Bundesverfassung verankert, in Botschaften bekräftigt, in Masterplänen beschrieben und in zahllosen Vorstössen bestätigt worden. Kaum ein gesundheitspolitisches Dossier kommt ohne das Bekenntnis zur Haus- und Kinderarztmedizin aus. Doch Bekenntnisse allein sichern keine Versorgung.

Mit TARDOC wurde ein wichtiger Reformschritt gemacht. Gleichzeitig zeigt sich bereits, wie fragil die politisch gewollte Aufwertung der Grundversorgung ist, wenn sie in der technischen Umsetzung nicht konsequent geschützt wird. Beim Entlastungspaket 27 drohte lange Zeit die Streichung dringend benötigter Mittel für zusätzliche Medizinstudienplätze, trotz breit anerkannter Nachwuchsprobleme. Und bei der Agenda Grundversorgung liegt ein engagiert erarbeiteter Bericht vor, nun entscheidet sich, ob daraus verbindliche Massnahmen mit klarer Finanzierung und Zeitplan werden. 

Der Volkswille ist deutlich. 88 % haben der Verfassungsgrundlage für die Hausarztmedizin zugestimmt. Das Parlament hat wiederholt bekräftigt, dass die Grundversorgung gestärkt werden muss. Dieser politische Auftrag ist klar. 

Jetzt braucht es Politikerinnen und Politiker, die diesen Auftrag nicht nur zitieren, sondern durchsetzen. Die bei Verordnungen, Finanzierungsfragen und Steuerungsmechanismen genau hinschauen. Die einfordern, dass Kostenneutralität nicht zur Neutralisierung politischer Ziele wird. Die sicherstellen, dass beschlossene Fördermassnahmen nicht im nächsten Sparpaket wieder verschwinden. Und die die Umsetzung kontrollieren – konsequent und über Legislaturen hinaus. 

Die Grundversorgung ist kein Nebenschauplatz. Sie ist das Rückgrat unseres Gesundheitssystems und Voraussetzung für Versorgungssicherheit, Qualität und Effizienz. Sie löst über 90 % der Gesundheitsprobleme in der Praxis und verursacht dabei keine 10 % der Gesundheitskosten. Wer sie stärken will, muss dafür sorgen, dass politische Versprechen in konkrete, wirksame und nachhaltig finanzierte Massnahmen übersetzt werden. 

Die Grundlagen sind gelegt. Der Wille ist formuliert. Nun entscheidet sich, ob daraus Realität wird.